ATLANTIC Australien 2: steigende Rohstoffpreise stärken den australischen Dollar
Die ganze Welt rätselt in diesen Tagen über die gesundheitlichen und weltwirtschaftlichen Folgen der Umweltkatastrophe in Japan. Konkrete Prognosen wagt kaum jemand, weil unklar ist, ob und wie schnell die Japaner und die internationale Unterstützung die Kernkraftblöcke in Fukushima unter Kontrolle bringen können. Nach Einschätzung der Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) seien die Risiken für die Weltwirtschaft durch die Ereignisse in Japan deutlich gestiegen. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) sieht eine erhöhte Unsicherheit, die die Weltwirtschaft allerdings nicht aus dem Gleis werfen werde. Entscheidend sei, wie lange die Stromausfälle und die Verknappung an Vorprodukten die Produktion auch in anderen Landesteilen Japans stocken lassen.
Negative Auswirkungen auf den Euroraum sieht die EZB jedoch nicht. "Es ist schwer, die Folgen der tragischen Ereignisse in Japan vorherzusagen. Für mich hat sich die Situation im Euroraum mit anhaltendem Wirtschaftswachstum und bleibenden Risiken für die Preisstabilität kurzfristig nicht verändert", erklärt Jürgen Stark, Chefvolkswirt der EZB. Auch frühere große Naturkatastrophen (Tsunami 2004) oder Nuklearunfälle (Harrisburg 1979, Tschernobyl 1986) lösten schließlich keine globalen Rezessionen aus. Mittelfristig könnten aber neben der Japankrise die Spannungen in Nordafrika sowie im Nahen und Mittleren Osten die Weltwirt-schaft und die Finanzmärkte negativ beeinflussen.
Die EZB sieht Gefahren vor allem bei den Rohstoffpreisen - zumal Japan und voraussichtlich auch andere verunsicherte Industriestaaten die Kernenergie durch andere Energiequellen wie Öl, Erdgas oder Kohle ersetzen könnten. "Das könnte die Rohstoffpreise weltweit anheizen", führt Jürgen Stark weiter aus. Die Inflationserwartungen im Euroraum seien aber im Zielrahmen der EZB, die die Preisstabilität bei Teuerungsraten um und bei zwei Prozent gewährt sieht. Damit das so bleibt, hat die EZB in der ersten Aprilwoche den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent erhöht. Viele Marktbeobachter erwarten, dass die Notenbank den Leitzins in den kommenden Monaten in weiteren kleinen Schritten auf 2,0 Prozent anheben wird, um den Preisdruck zu senken und die Kaufkraft zu erhalten.
Wie wirken sich die steigenden Rohstoffpreise auf die australische Wirtschaft aus?
Wenn Atomkraft nach der Umweltkatastrophe in Japan weltweit weniger nachgefragt würde, hießen die Lösungen zunächst Öl, Ergas und Kohle, auf längere Sicht regenerative Energien. Australien würde von einer steigenden Rohstoffnachfrage profitieren, weil das Land über sehr große Öl- und Ergasreserven sowie eine Vielzahl von Edel- und Industriemetallen verfügt. Darüber hinaus ist Australien auch weltgrößter Exporteur von Kohle und Eisenerz. Bergbau und Landwirtschaft machen nahezu 75 Prozent der gesamten Exporte Australiens aus.
Die große Rohstoffnachfrage der Chinesen und Asiaten hat Australien zu einem wohlhabenden Industrie- und Exportstaat gemacht, der selbst in den vergangenen Krisenjahren als eines der wenigen führenden Industrienationen keinen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes hinnehmen musste. Auch die wachsende Nachfrage aus Indien, Brasilien und Russland lässt die australischen Rohstoffexporteure zuversichtlich in die Zukunft blicken, gleichwohl es bei der zukünftigen Entwicklung der Rohstoffpreise zyklisch bedingte Kurskorrekturen geben wird.
Steigt die Nachfrage und der Export von australischen Rohstoffen nach den aktuellen Ereignissen in Japan, Libyen sowie im Nahen und Mittleren Osten weiter an, begünstigt dieses auch die Entwicklung der australischen Währung, weil das jeweils importierende Land vermehrt australische Dollar einkaufen muss, um australische Rohstoffe bezahlen zu können. Angesichts des Rohstoffreichtums Australiens wird der australische Dollar zu den soge-nannten "Rohstoff-Währungen" gezählt, deren Wechselkurse sich an den Preisen der entsprechenden Rohstoffmärkte orientieren. Steigende Rohstoffpreise haben in der Regel eine Aufwertung dieser Währungen gegenüber dem US-Dollar zur Folge. Umgekehrt setzen sie sinkende Rohstoffpreise unter Druck. Die nachfolgende zeigt den kontinuierlichen Steigflug des australischen Dollar seit Anfang 2009.
Angesichts der vom Rohstoffboom getragenen kräftigen Konjunkturerholung hat Australiens Notenbank den Leitzins fünfmal - zuletzt im November 2010 um 0,25 Prozentpunkte auf 4,75 Prozent - angehoben. Diese schrittweise Anpassung der australischen Finanzpolitik spiegelt die positive wirtschaftliche Entwicklung des fünften Kontinents wider. Es ist somit keine große Überraschung, dass der australische Dollar in 2009 und 2010 zu den Gewinnern am Devisenmarkt gehörte. Während der Euro unter der aktuellen Schuldenkrise und der US-Dollar unter der expansiven US-Geldpolitik leiden, avancierte die australische Währung nahezu unbemerkt in eine Führungsposition unter den wichtigsten Währungen.
In der historischen Entwicklung des australischen Dollar gegenüber dem Euro ist im Zeitraum von 1999 bis zur Insolvenz der US-Investmantbank Lehman Brothers Mitte September 2008 eine stabile Schwankungsbreite des Wechselkurses zwischen 0,55 und 0,65 Euro zu erkennen. Die sich erholende Weltkonjunktur, steigende Rohstoffpreise und ausländische Investitionen in Australien führten dazu, dass sich der australische Dollar ab Dezember 2008 von 0,50 Euro um rund 46 Prozent auf 0,73 Euro im April 2011 verteuerte. Nach dem Kaufkraftbarometer der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sei der australische Dollar bereits Ende 2010 mit 0,75 Euro um 31 Prozent überbewertet gewesen. Die OECD hielt zum Jahreswechsel einen Wechselkurs von 0,57 Euro je australischen Dollar für angemessen. Dies entspricht in etwa dem Mittelwert des oben dargestellten "Wechselkurs"-Korridors.
Auch die Hessische Landesbank geht in ihrem aktuellen Devisenreport davon aus, dass die australische Währung überbewertet ist und im weiteren Jahresverlauf an Wert verlieren dürfte. Das ergab eine Analyse des realen handelsgewichteten Australischer Dollar-Index in den vergangenen 30 Jahren. Nach Ansicht der Hessischen Landesbank dürften die Kursverluste der australischen Währung etwas ausgeprägter ausfallen, wenn sich die Schuldenkrise in den Euro-Staaten entspannt. Dann sei eine Abwertung von aktuell 0,73 auf 0,66 Euro je australischen Dollar denkbar. Auch im Vergleich zum US-Dollar wird mit einem Kursrückgang von derzeit 1,03 USD auf 0,90 USD gerechnet. In Anbetracht der positiven wirtschaftlichen Entwicklung Australiens sei dies in erster Linie als gesunde Korrektur und noch nicht als Ende des langjährigen Höhenflugs der australischen Währung zu werten.
Nachdem in den vergangenen Tagen neben Griechenland und Irland nun auch Portugal als drittes Land der Eurozone Zuflucht unter dem internationalen "Rettungsschirm" gesucht und gefunden hat, bleibt die Stabilität des Euro und damit die Wechselkurs-Korrektur beim australischen Dollar nach unten mehr als fraglich. Portugal benötigt nach ersten Berechnungen bis zu 80 Milliarden Euro an Finanzhilfen, die auch problemlos zur Verfügung gestellt werden können. Doch was ist, wenn es demnächst ein weiteres Euro-Land mit einer weitaus höheren Wirtschaftsleistung trifft? Seit längerem wird spekuliert, dass auch Spanien, Italien und auch Belgien Finanzhilfen bei der EU beantragen könnten. In diesem Fall könnte der Euro vor eine ernsthafte Belastungsprobe gestellt werden, während der australische Dollar im Gegenzug weiteren Auftrieb bekäme.
Politiker und Ökonomen denken bereits laut über eine Ausweitung des Rettungspaketes und eine Verdoppelung der Finanzhilfen auf 1,5 Billionen Euro nach. Mit der Aufstockung des Rettungsfonds wird das eigentliche Problem durch die Politik nur aufgeschoben, weil sie die Überschuldung der Länder wie einen vorübergehenden Liquiditätsengpass behandelt. Sie spielt auf Zeit und setzt darauf, dass die Einsparanstrengungen der betroffenen Ländern Wirkung zeigen und das Vertrauen der Märkte wiederherstellen. Tatsächlich passiert aber etwas anderes: Die vermeintlich vertrauensbildenden Kürzungen in den Staatshaushalten würgen das Wirtschafts-wachstum ab und die Märkte quittieren dies mit weiterem Vertrauensentzug. Zur Wieder-herstellung der Wettbewerbsfähigkeit müssten die Löhne und Preise in den Schuldnerländern sinken, was den Abbau des kontinuierlich wachsenden Schuldenbergs aber erschweren würde.
Auf die Spitze getrieben, würde ein Auseinanderbrechen der Eurozone eine Kapitalflucht von den schwachen in die starken Währungen Europas in Gang setzen und eine neue Finanzkrise auslösen. Der Wechselkurs der Weichwährungen würde abstürzen, die reale Schuldenlast der verschuldeten Länder so stark ansteigen, dass die Zahlungsfähigkeit vollends verloren ginge. In diesem Szenario würde sich der Höhenflug der starken "Fluchtwährungen", wie z.B. der Schweizer Franken, die Norwegische und Schwedische Krone sowie der Kanadische, Neuseeländische und Australische Dollar, eher weiter fortsetzen als eine deutliche und dauerhafte Abwertung erfahren.
In der kommenden Woche zeigen wir Ihnen in vier verschiedenen Wechselkurs-Szenarien auf, welchen Einfluss die aktuelle Entwicklung des australischen Dollar auf die Auszahlung und den Gesamtmittelrückfluss bei ATLANTIC Australien 2 nimmt.