
Die IEA (Internationale Energie-Agentur) hat sich auf Drängen der US-Regierung entschlossen, Ölreserven ihrer 28 Mitgliedsstaaten freizugeben, um den Engpass in der Versorgung des Bedarfs, vor allem in den USA, zu beenden: 60 Mio. Fass Rohöl sollen in den kommenden 30 Tagen aus den Beständen der Mitgliedsstaaten verkauft werden, um den Wegfall der libyschen Produktion zu ersetzen. Die OPEC-Mitgliedsstaaten hatten sich nicht, wie wir in der Vertriebsinformation vom 14.06.2011 erklärt hatten, durch Saudi-Arabien umstimmen lassen, ihre Produktion zu erhöhen. Die IEA-Aktion, als Reaktion auf den OPEC-Beschluss, ist als Signal im Markt sehr stark aufgenommen worden: Die Rohölpreise reagierten mit einem Rückgang von ca. 5 % (welchen jedoch die Märkte innerhalb weniger Tage schon wieder fast ausgeglichen haben). Wie weit diese Maßnahme sinnvoll ist, ist unter Experten – wie Sie dem anliegenden Artikel entnehmen können – durchaus umstritten.
Was lässt sich daraus schließen? Zumindest, dass Saudi-Arabien seine Ankündigung, notfalls allein die Produktion zu erhöhen, offensichtlich nicht umsetzen kann (oder will). Das ist insoweit nicht überraschend, als viele Experten bezweifeln, dass Saudi-Arabien über die Tagesproduktion von ca. 9 Mio. Barrel hinaus tatsächlich noch nennenswerte freie Kapazitäten zur Erhöhung hat. Und diejenigen der Mitgliedsstaaten der OPEC, die ihre Kapazitäten noch erhöhen könnten, wollen es offensichtlich schlicht nicht. Warum auch, wenn man durch den hohen Ölpreis seine Staatsfinanzen wesentlich schneller sanieren kann.
Der Schritt der IEA zeigt natürlich auch, dass die Ressourcen weltweit immer knapper werden und die Einflussmöglichkeiten der Welt auf die lieferfähigen Staaten sehr gering sind. Der positive Effekt an der Preisfront ist dabei durchaus trügerisch: 60 Mio. Barrel klingt gewaltig, ist aber nur der Bedarf, der auf der Welt in knapp 17 Stunden verbraucht wird. Zum Vergleich: Deutschland verfügt über 183 Mio. Fass Reserven, zum Teil in Benzin und Diesel. Wir könnten also den globalen Bedarf nur für 2 Tage auffangen. Und natürlich ist es auch absolut unrealistisch anzunehmen, dass die Mitgliedsstatten eine solche Aktion über eine längere Zeit durchführen könnten, da es für die Versorgungssicherheit ihrer eigenen Wirtschaft viel zu gefährlich wäre.
Quelle: Promotum