
Inflationsangst, Dollarschwäche und Euro- bzw. Schuldenkrise machen Sachwerte und geschlossene Immobilienfonds wieder attraktiv. Wie der Verband Geschlossene Fonds e.V. (VGF) Anfang Februar mitteilte, flossen im Jahre 2010 sechs Milliarden Euro in geschlossene Fonds - 13 Prozent mehr als in 2009. Für 2011 erwarten die Experten des VGF eine besonders positive Entwicklung in den Segmenten Immobilien, Flugzeuge und erneuerbare Energien.
Eine hohe Rendite bei geringem Risiko - das ist der Wunsch eines jeden Anlegers. Doch wie erreicht man dieses Ziel?
Die alte Börsen-Weisheit "Nicht alle Ostereier in einen Korb zu legen" erscheint einfach, ist aber die Grundlage der modernen Portfoliotheorie und die wichtigste Basis einer professionellen und erfolgreichen Kapitalanlage. Die aktuellen Ereignisse in Japan machen leider sehr deutlich, wie schnell Anleger falsch liegen können, wenn sie sich zu stark auf Wertpapiere scheinbar solider Energieversorger verlassen und einen zu großen Anteil ihres Vermögens in einzelne Werte einer Branche investieren.
Der US-Ökonom Harry M. Markowitz entwickelte als erster Wissenschaftler mathematische Überlegungen zur optimalen Depotstruktur, für die er 1990 mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnete wurde. Er hat nachgewiesen, dass durch die Beimischung von riskanteren Anlageklassen mit höheren Renditen das Gesamtrisiko eines Wertpapier-Depots paradoxerweise geringer sein kann als bei der sichersten Einzelinvestition mit kleinerer Rendite. Und das bei gleichzeitig steigender Renditeerwartung. Voraussetzung für diese Portfolio-Effekte ist jedoch, dass die Märkte der ausgewählten Investments möglichst unabhängig voneinander verlaufen, sie also nicht miteinander "korrelieren".
Die richtige Auswahl, Mischung und Gewichtung der Anlageklassen ("Asset-Allokation") entscheiden auch heute noch über den nachhaltigen Erfolg einer Kapitalanlage. Allerdings ist die Suche nach der richtigen Mischung deutlich schwieriger geworden, weil die Korrelation zwischen den Anlageklassen aufgrund der immer stärkeren Verflechtungen der Volkswirtschaften im Zuge der Globalisierung deutlich zugenommen hat. Anleger und Anlageberater müssen heute deutlich mehr Märkte und Anlageklassen in ihre Analyse einbeziehen, um ihre Depots - auch unter Berücksichtigung der individuellen Präferenzen, wie z.B. persönliche Anlageziele, zeitlicher Anlagehorizont und akzeptierte Risikobereitschaft - zu optimieren.
Franz-Joseph Busse, Professor für Betriebswirtschaft an der Münchner Fachhochschule und Leiter des Instituts für Finanz- und Investitionsmanagement (Infinanz), beschäftigt sich seit 20 Jahren mit Anlagestrategien. Auch er konnte wissenschaftlich nachweisen, dass Anleger, die unterschiedliche Anlagenformen ins Depot aufnehmen, nicht nur das Risiko reduzieren, sondern auch einen deutlich höheren Ertrag erwirtschaften können. Die Strategie der Vermögensdiversifikation funktionierte beim vorsichtigen Anleger ebenso wie beim spekulativen Investor. Für jeden gibt es eine optimale Mischung seiner Investments.
Mithilfe einer langjährig aufgebauten Datenbank konnte Finanzforscher Busse nicht nur Kursverläufe von Aktien und Anleihen, sondern auch Daten von mehr als 7.000 geschlossenen Fonds auswerten und die Wirkung jeder Anlageklasse auf das Depot bis auf den Euro genau berechnen. Beim Blick in die optimierten Portfolios zeigten sich insbesondere geschlossene Immobilienfonds als wahre "Verwandlungskünstler", die sich sowohl zur offensiven wie zur defensiven Anlagestrategie eignen.
Quelle: Atlantic