
Wie wichtig Erdgas zwischenzeitlich für die Energieversorgung Europas geworden ist, hat der Aufmarsch der Politprominenz bei der Inbetriebnahme der Nord-Stream-Pipeline gezeigt. Nach nur 17 Monaten Bauzeit wurde die Pipeline, für die mehr als 100.000 Rohre verlegt und verschweißt wurden, im Beisein der europäischen Politprominenz eröffnet. Vier Tage braucht das Gas, um die Strecke zwischen Wyborg in Russland und Lubmin, Mecklenburg-Vorpommern, zu überwinden.
Mit dieser Pipeline, die unter Wasser durch die Ostsee verläuft, haben die Ingenieure Maßstäbe gesetzt und einen Blick in die Zukunft aufgetan, die durch den Wettlauf um den Zugang zum Gasbestimmt sein wird. Gas wird nach Meinung der internationalen Energie-Experten durch den stetig wachsenden Energiehunger, vor allem der Schwellenländer, zukünftig wichtiger werden als Erdöl, und die Transportmöglichkeiten und damit die Erschließung und Öffnung neuer Märkte das wichtigste Ziel für Erdgas produzierende Länder.
Die WELT am SONNTAG formuliert es im Artikel vom 13.11.2011 (Link:
WamS) so: „Der Bedarf ist gewaltig: Nach der Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA) wird die weltweite Nachfrage bis zum Jahr 2035 um fast 45 Prozent wachsen.“ Und weiter zitiert sie die Experten der IEA, die „ein goldenes Zeitalter für Erdgas“ voraussagen, weil „Erdgas in den kommenden zweieinhalb Dekaden eine zentrale Rolle bei der Deckung des globalen Energiebedarfs spielen wird.“
Die Investition in Erdgas wird damit zu einem der wichtigsten Wachstumsmärkte. Das zeigt das große Interesse, das die Banken als Kreditgeber dieses Großprojektes dokumentieren: Die Namen der teilnehmenden Banken lesen sich wie ein „Who is Who“ der Kreditwirtschaft, von der Deutschen Bank über die Crédit Suisse, BNP Parisbas oder die niederländisch-belgische Fortis waren praktisch alle europäischen Großbanken vertreten.
Dem Gas kommt nach Einschätzung der Experten besonders deswegen eine so wichtige und wachsende Bedeutung zu, weil es als Brückentechnologie die Schwankungen, die im regenerativen Bereich der Energieerzeugung unvermeidlich sind, auffangen kann. Die „Gas-Brücke“ ist nach Meinung der Wissenschaftler des Wuppertaler Instituts für Klima, Umwelt und Energie „der perfekte Partner für den Übergang und hilft enorm bei der Reduktion von CO2-Emissionen“. Abernicht nur die Energiewirtschaft muss und wird stärker Erdgas nachfragen, auch die chemische Industrie orientiert sich immer mehr auf Erdgas als Ersatzrohstoff für das zu teuer gewordene Erdöl um.
So hat die Henkel Chemie AG bereits angekündigt, zukünftig Erdgas statt Rohöl für ihre petrochemische Produktion zu nutzen. Und auch die Nutzung des Erdgases als „Transfer-Rohstoff“, also zum Antrieb von Transportmitteln, zieht gewaltig an: So hat zum Beispiel Shell verlautbaren lassen, dass sie innerhalb der nächsten Jahre sowohl in den USA als auch in Kanada ein flächendeckendes Versorgungsnetz für Gastankstellen so ausbauen wollen, dass durchgängige Transportmöglichkeiten geschaffen werden. Auch im Personentransport wird Gas wegen der günstigeren Kosten weltweit laut IEA in den nächsten Jahrzehnten einen enormen Nachfrageschub kreieren.
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Quelle: POC GmbH